St. Gallus in Walbertsweiler (655 m)

  Pfarrkirche, erbaut 1961 - 1963

Der nordwestlich von Wald gelegene, 2 km entfernte Ortsteil Walbertsweiler mit Kappel und Glashütte umfasst heute 657 Katholiken. Das Patronat (Fest 16.10.) erinnert an alte Verbindungen zur Benediktinerabtei St. Gallen in der Schweiz. Schon 854 wird der Ort in Urkunden von St. Gallen erwähnt. 1259 erhielt das Kloster Wald aus den Händen der Herren von Kallenberg den größten Teil des Ortes, nach 1806 geht dieser an Hohenzollern- Sigmaringen über. Gleichzeitig gehörte Walbertsweiler zum fürstlichen, später preußischen Oberamt, dann zum Kreis Sigmaringen.

Eine wohl mittelalterliche Kirche wurde 1868 durch einen neugotischen Bau des hohenzollerischen Landesbaumeisters Josef Laur (1817-1886 Sigmaringen) ersetzt. Diese Kirche besaß einen Turm mit 45 m Höhe und war 33 m lang, 10 m breit und hatte eine Innenhöhe von 10,50 m, dazu seitliche Strebepfeiler. Bei ihrem Bau verwandte man einen Grobsandstein der Oberen Meeresmolasse aus einem Steinbruch bei Rengetsweiler (so Jörg Werner), der schon am 11.9.1877 zu einem Turm-Zusammenbruch der Pfarrkirche Aach-Linz geführt hatte (der Stein zerbröselte). Am 16.11.1959 stürzte wohl nachts der Fassadenturm quer über die Dorfstraße, mit dem Helm noch das Pfarrhaus streifend. Zum Glück gab es keine Unfallopfer zu beklagen. Zwar hatte man bald den ganzen Kirchenraum wieder unter Dach, er blieb jedoch baupolizeilich gesperrt. Pfr. Karl Kreidler (* 1889 Dießen, ab 9.6.1940 Pfr. von Walbertsweiler, †22.5.1962 nach Autounfall) musste fortan sonntags in einem Schulsaal zelebrieren, viele Gläubige fuhren auch zur hl. Messe nach Wald. Eine Untersuchung der staatl. Baukommission über den baulichen Zustand der Kirche ergab, dass diese auf Grund des Steinmateriales nicht zu halten war. So standen Pfarrer und Gemeinde vor der schweren Aufgabe eines Kirchenbaus, der die Kräfte des Seelsorgers überstieg. Die Fahrt zu einem Kuraufenthalt in Bad Dürrheim führte bei einem Schwächeanfall zu schwerem Autozusammenstoß und brachte Pfr. Kreidler in Schwenningen den Tod.

Das Erzb. Ordinariat Freiburg beauftragte zunächst das Erzb. Bauamt Konstanz unter Max Schätzle mit einem Kirchenentwurf ohne Turm. Ein billigerer Gegenentwurf mit Turm kam von Architekt A. Seiler, Sigmaringen-Laiz, der die Genehmigung des Erzb. Ordinariates erhielt. Am 21.5.1961 (Pfingstsonntag) erfolgte die Grundsteinlegung für den Neubau auf demselben Areal neben der alten Kirche, allerdings von der Straße zurückversetzt. Die neue Kirche wurde auf 29 m ausgelegt, erhielt eine Breite von 13,50 m und eine Innenhöhe von 8,50 m. Die Zahl der Sitzplätze beträgt 380. Auf die Südseite des Chorraums kam die Sakristei mit 6,65 m Breite zu stehen. Daran angebaut ist der Turm mit einer Grundfläche von 4,30 m im Quadrat, der in 6 Geschossen aufsteigt. Am 3.5.1963 schuf man freien Platz um den Neubau, indem man mit großer Vorsicht die alte Kirche sprengte und dann das Material abräumte. Am 13.5. erfolgte die Weihe zweier neuer Glocken durch Pfr. Georg Moser von Ostrach, einem gebürtigen Walbertsweiler. Zu diesem Zeitpunkt versah Pfr. Karl Thome (†4.1.1996) aus Dietershofen hier die Seelsorge. Die Weihe der Kirche erfolgte am 21.7.1963 durch Weihbischof Karl Gnädinger von Freiburg.

Der Kirchenbau zeigt die typische rechteckige Bauweise der 1960er Jahre mit First und ansteigendem Dach auf dem Langhaus und seitlichem Turm mit vier Glocken (Gallusglocke, Ton b', Dm 92 cm, h 79 cm, 1534 v. Nikolaus Oberacker, Konstanz; Marienglocke, Ton es", Dm 72 cm, h 61 cm, 1534 v. Nikolaus Oberacker, Konstanz. Hinzu kommen die beiden neuen Glocken aus der Gießerei Schilling, Heidelberg, 1963, Ton g' und c"). Dabei ist der Bau auf Grund verschiedener Materialien recht lebendig strukturiert. Das gilt für den durch waagerechte Bänder gegliederten Turm mit hoher Glockenstube und flachem Pyramidendach, die Innenwände des Langhauses mit je vier abstrakten farbigen Glasfenstern und die Unterzüge der Kirchendecke. Bemerkenswert der überdachte Haupteingang, auf der Gegenseite die abgerückte Stirnwand des Chores mit seitlichem Lichteinfall. Der neue Hochaltar ist in Falkenstein-Marmor ausgeführt. Tabernakel und Leuchter fertigte Goldschmiedemeister Maier, Sigmaringen. Der Kreuzweg aus Holz stammt von H. Roth (um 1964).

Die Kirche erhielt 1971 von der Werkstätte Mönch-Orgelbau in Überlingen eine 20 Register umfassende Orgel mit 2 Manualen und mit Pedal.

An Kostbarkeiten aus früherer Zeit gilt es zu entdecken: Eine spätgotische thronende Maria mit dem Jesuskind auf ihrem rechten, hochgestellten Knie, 82 cm hoch, um 1520, vor 1963 im Pfarrhaus, heute über der linken Seitenaltar-Platte (Mensa). Sie besitzt besondere Qualität und auch Schönheit.

Spätgotische Madonna mit Kind (um 1520) 

Unter der Kreuzigungsgruppe an der Chor-Stirnwand sind sieben Apostelgemälde (50 x 42 cm) aufgehängt, die aus der Zeit nach 1700 stammen (früher an der Emporen-Brüstung). Sie sind von bedeutendem Wert. 

Innenaufnahme der Pfarrkirche Walbertsweiler  mit Kreuzigungsgruppe an der Stirnwand

Beachtung verdient noch ein barocker hl. Gallus mit dem Bären an der Südwand.

Barocker hl. Gallus in Walbertsweiler
Bilder: Elmar Restle

Die Walbertsweiler Kirche zählt zu den bemerkenswerten, gelungenen Kirchenbauten der 1960er Jahre zwischen Bodensee und Donau.

Quelle:
Entnommen aus „150 Jahre Eulogius-Ritt Aftholderberg -  Kirchen der Seelsorgeeinheit Wald“

Herausgeber: Seelsorgeeinheit Wald, 2006
Autor: Manfred Hermann, Pfarrer in Ebringen bei Freiburg
Bilder: Elmar Restle, Walbertsweiler


 
 

                                                                                                                             

nach oben