> Pressespiegel > Bericht: Schwäbische Zeitung, 24. Februar 2003
 

Mega-Party ging fast ohne Nebenwirkungen über die Bühne

Wald - Förmlich "aus allen Nähten" ist am Freitag die kleine Gemeinde Wald geplatzt. Der Verein zur Brauchtumspflege Walbertsweiler hatte zum Nachtumzug mit anschließendem närrischem Treiben eingeladen. Dank umfangreicher Vorsichtsmaßnahmen ist die Partynacht mit rund 10 000 Gästen ohne größere Zwischenfälle verlaufen.

Eine starke Polizeipräsenz, 40 professionelle Security-Kräfte und stabile Bauzäune, entlang der Nachbargrundstücke, unterschieden den diesjährigen Nachtumzug von seinen sieben Vorgängern. Handfeste Schlägereien mit gefährlichen Körperverletzungen und erhebliche Sachbeschädigungen im vergangenen Jahr hatten die Veranstalter und Bürgermeister Werner Müller zu diesen vorbeugenden Maßnahmen gezwungen. So verlief die Walder Nacht der Nächte, nach Auskunft des Pfullendorfer Polizeipostens, mit Ausnahme einiger kleinerer Rangeleien (siehe auch Polizeibericht) auch tatsächlich ohne besondere Vorkommnisse.

Rund 1 600 Hästräger in 38 Gruppen und Musiken zogen zunächst zur Freude der Zuschauer, die dicht gedrängt am Straßenrand standen, durch die nächtliche Gemeinde. In der Zehn-Dörfer-Halle, die zeitweilig wegen Überfüllung geschlossen werden musste, gab es Brauchtumsvorführungen und eine Monsterdisco. Auch in den Gaststätten und verschiedenen Besenwirtschaften, deren Bewirtung andere örtliche Vereine übernommen hatten, war kein Umfallen möglich, da die Leute dicht an dicht standen.

Ausgelassener Hexenkessel

Bis in die frühen Morgenstunden tummelte sich das närrische Volk und verwandelte das ganze Dorf in einen ausgelassenen Hexenkessel. Bereits im Vorfeld hatten die Gastgeber zum traditionellen Zunftmeisterempfang unter dem Motto "Indien" - in den Saris der bedienenden Trommlerfrauen effektvoll zum Ausdruck gebracht - geladen. Mit einem kräftigen "Schmieret de Karre, s´quietschet scho", eröffnete Brauchtumsvereinsvorsitzende Heidi Fischer die Veranstaltung. Dazu schallte ihr ein vielstimmiges "Heidi, deine Welt sind die Berge" entgegen.

Für die musikalische Umrahmung sorgte Fanfarenzugdirigent Gerhard Löffler an der Gitarre, der in diesem Jahr erstmals Verstärkung von seinem Akkordeon spielenden Bruder Wolfgang erhielt. Dass sich die Narren nicht an die im Programm festgeschriebene Liederfolge halten wollten, störte die beiden Vollblutmusiker nicht im Mindesten. Flexibel und spontan wechselten sie die Tonart und gingen anstelle der angesagten Schunkelwalzer kurzerhand an den Ufern der Donau entlang. Als pechschwarzer Mohr nahm Schultes Müller am Empfang teil. Ihm kam die besondere Ehre zu, mit der blond gelockten Heidi in aller Öffentlichkeit aufs "Du" anzustoßen, Ehrenküsschen inklusive. "Mohr" Müller wies ausdrücklich darauf hin, dass er weder "ein schwarzes Schaf" sei, noch "schwarze Kassen" sein eigen nenne. "Einen Abend ohne Nachbarkomeede", wünschte Ortsvorsteher Franz Bosch.

Ortsvor- und Frauenversteher

Ihm war als langjährigem Ehemann und erfahrenem Frauenkenner völlig klar, dass man die Vereinsvorsitzende nur mit einer großen Blume friedlich gestimmt werden könne.

Grußworte und Geschenke gab es außerdem von den Vertretern der Walbertsweiler Feuerwehr und des Rotkreuz-Ortsvereins. Beide Einrichtungen hatten sich zum Dienst während der Großveranstaltung bereit erklärt. Fußballvereinsvorsitzender Fidelis Krall reimte die Mahnung, sinnlose Zerstörungen zu vermeiden, da es sonst bald keinen Nachtumzug mehr gebe. "Wer nix sagt, kriegt eine Schorle extra", trieb Fischer die Abordnungen zur Eile an, sollte der Umzug doch pünktlich beginnen. Trotzdem bevorzugten einige Narren die zweite aufgestellte Regel, für deren Einhaltung ebenfalls eine Sonderration Schorle in Aussicht gestellt worden war: sie überbrachten ihre Grüße samt Gastgeschenk in Liedform.

 


 
 

Frau Schmidt, Schwäbische Zeitung Pfullendorf, 24.02.2003

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