> Pressespiegel > Bericht: Südkurier 08. Dezember 2003
 

Ovationen für vier Musiker von der Ostalb

"Herrn Stumpfes Zieh- und Zupf Kapelle" in der Zehn-Dörfer-Halle in Wald

Wald - Da hat sich der Fußballverein Walbertsweiler/ Rengetsweiler vier feine Ostälbler in die Zehn-Dörfer Halle nach Wald geholt. Ohne weihevollen Zinnober und Herumgedruckse nennen sie die Dinge beim Namen und beackern mit ihren selbstgebastelten Gesängen die Gefilde des Alltags. "Hört ihr das Lied der Stumpfes", zwitschert Michael "Flex" Flechsler in sein Mikrofon, eingebettet in die Montanara-Sentenzen, bevor die zwei Posaunen und das Tenorhorn in den jazzigen Slap überkippen. Respektlos benennt der Musiker zwischendurch das gute Walder Bauwerk in Zehn-Käffer-Halle um. Mit einem amerikanischen Walzer, der aus Österreich stammt und dem selbstgebastelten, auf einem rohen Brett montierten Becken, das der große Blonde gnadenlos mit dem Handrücken malträtiert, ziehen die ersten Lachsalven durch den Saal.

In die typisch schwäbische Krankheit, das Häuslesbauen entführen die vier Virtuosen, von den jeder mindestens vier Instrumente beherrscht. Da singen sie dann "da Rasa isch gmäht onds Kreuz schier verdreht", um in der Zielgeraden zur Grundsatzfrage "i woiß net, ob sich so was lohnt" zu kommen.

Sie machen Anleihen bei zum Teil sehr bekannten Liedern und Gassenhauern aus allen Stilen und Epochen der leichten Muse, Country, Blues, Jazz, Volksmusik - alles untermalt mit einem waschechten, älberischen Schwäbisch und eigenen Texten. So bringen sie ihre skrupellose Hausmusik an. Das Landesjubiläum bleibt

Das Publikum in der Walder Zehn-Dörfer-Halle war von "Herrn Stumpfes Zieh- und Zupf Kapelle" restlos begeistert. Bild: Hermann

genauso wenig verschont wie der Baggersee, wenn die Stumpfes aufrufen; "Abandasee, i frei mi scho, wenn i di em Bikini seh!".

Man hört es flirren, wenn Manfred" Manne" Arnold von den Tagen erzählt, an denen man einfach im Bett bleiben mag - im Hintergrund tuten Posaune und Tuba als Pseudowecker - die Gitarren und die brillante Harmonika wiegen den Schläfer wieder in den Schlummer, bis er feststellt, dass es eh Sonntag ist. Oder wenn Benny Banano (klingt nach Künstlername) den Kontrabass als imaginäre Frauengestalt streichelt , sich mit dem Instrument zudeckt, nur um den sanften Klaviertönen, die Marcel "Selle" Hafner dem schwarzen Riesen entlockt, zu lauschen. Mit Ovationen bedankte sich das Publikum nach den zwei Zulagen mit dem Lied des "Bemperles, des so saumäßig weh tut" für ein mit Installationen und Dialektpoesie vollbepacktes Programm.


 
 

Bernd Hermann, Südkurier Pfullendorf, 08.12.2003

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