> Pressespiegel > Bericht: Südkurier 03. September 2004
 

Ein barockes Kleinod öffnet Tore

 Martinskapelle in Kappel am "Tag des offenen Denkmals" geöffnet

Kappel (fah) Die Martinskapelle in Kappel ist am Sonntag, den 12. September, dem bundesweit begangenen "Tag des offenen Denkmals" von 13.30 Uhr bis 17 Uhr für Besucher geöffnet. Führungen unter der Leitung von Falko Hahn finden um 14 Uhr und um 15.30 Uhr statt.

Am "Tag des offenen Denkmals" gehört die Kapelle in Kappel zu den 22 im Landkreis Sigmaringen, die auf Initiative des vor zwei Jahren gegründeten Arbeitskreises Orts- und Regionalgeschichte im Kulturforum Landkreis Sigmaringen unter einem "bespielten" Thema erstmals so für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. In kreisweiten Führungen werden die jeweilige Frömmigkeits-, bau- und kunstgeschichtliche Bedeutung vorgestellt.

Im Inneren der im Eigentum der politischen Gemeinde Wald liegenden Kappler Kapelle verdienen der Altar aus der Erbauungszeit und eine gemalte Kreuzigungsgruppe mit den beiden Kapellenpatronen Markus und Martin besondere Aufmerksamkeit.

Das Gemälde ließ laut Inschrift die Walder Äbtissin Margaretha von Goeberg 1569 malen. Der Ort Kappel wird bereits 1241 als eigene Pfarrei erwähnt. Da die Kirche aber nur wenige Pfarrangehörige besaß, klein und dürftig war und von ihren Einkünften kein Pfarrer angemessen leben konnte, wurde sie im Jahr 1387 von Bischof Nikolaus von Konstanz in die Pfarrkirche Walbertsweiler einverleibt. Vor 1800 bezeugte der waldische Oberamtmann, Johann Amadeus von Baratti, ein vielbelesener Mann voller Altertumskunde, er wisse zuverlässig aus Urkunden und Sagen, dass einstens Göggingen nach Kappel als Filial eingepfarrt war. Die Loßreißung Göggingens von Kappel mag wohl der Anlass für die nie mehr aufgehobene Inkorporation nach Walbertsweiler gewesen sein. Der Oberamtmann berichtet weiter, dass am Markustage um 1790 die Gemeinden Otterswang, Göggingen, Dietershofen, Menningen, Klosterwald, Hippetsweiler, Reischach mit Kreuz und Fahnenprozessionen nach Kappel kamen. Dies und der alte Ortsname Cappella weise auf eine alte Pfarrei hin. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nahm der Walbertsweiler Pfarrer wöchentlich die Schulvisitation in Kappel 

Die St. Martins-Kapelle in Kappel ist eine von 22 Kapellen im Kreis Sigmaringen, die am bundesweit begangenen "Tag des offenen Denkmals" für die Öffentlichkeit zugänglich ist. fah/Bild: Hahn

vor und erteilte dort an jedem dritten Sonntag die Christenlehre. Die Kapelle  wurde 1616 errichtet und musste schon 1710 von neuem erbaut werden. "Von neuem erbauen", war ein vielberufenes Leitwort nach den Gräueln in der Katastrophe des 30-jährigen Krieges. Eine neue Hochblüte in Kunst und Malerei ließ Äbte und Äbtissinnen alles Bisherige in Frage stellen. Viele Kirchen wurden abgerissen. Der gotische Stil war aus der Mode gekommen. Besonders in Oberschwaben triumphierten Rokoko und Barock.

Besichtigung möglich

Wie die Vorgängerkapelle der heutigen Kapelle einmal ausgesehen hat, darüber ist nichts bekannt, kein Plan ist erhalten. Wald hat da mehr Glück. Eine Federzeichnung von 1681/85 zeigt eine dreischiffige Basilika am Ort der heutigen Pfarrkirche St. Bernhard, es ist die 1249 von den Walder Gründernonnen gebaute Heiligkreuzkirche. Beim Bau der Walder Barockkirche 1698 wurden Teile der abgegangenen Kirche in den Neubau eingefügt. Erkennbar ist dies an zugemauerten Fenstern am Chor.

Jeden Freitag alle sechs Wochen um 19 Uhr ist Heilige Messe, außerdem am 11. November (Patrozinium) um 19 Uhr sowie am ersten Sonntag im September (Kappler Kirbe) um 10.15 Uhr wird in der Kapelle Gottesdienst gefeiert.

Besichtigt werden kann die Kapelle nach Rücksprache mit Mesner Weißhaupt und dessen Mutter Berta. Täglich um 12 Uhr wird die kleine Glocke von der Altmesnerin geläutet.


 
 

Falko Hahn, Südkurier Pfullendorf, 03.09.2004

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