> Pressespiegel > Bericht: Südkurier 14. Juni 2005
 

Einst hieß es Waldrameswilare

 Leopold Köhler referiert über die Geschichte von Walbertsweiler

Das Dorfgemeinschaftshaus Walbertsweiler erlebte am Sonntagmorgen einen regelrechten Ansturm von ehemaligen und heutigen Bewohnern des Walder Teilortes. Hunderte waren gekommen, um den Vortrag des früheren Volksschullehrers Leopold Köhler über die Siedlungsgeschichte ihres Ortes, der 1150 Jahre alt ist, zu hören.

Walbertsweiler - Ortsvorsteher Franz Bosch gab mit der Begrüßung das Zeichen zum Beginn des Festaktes zur 1150-Jahr-Feier von Walbertsweiler. Nach einem Eröffnungslied des Männergesangvereins Kappel-Glashütte begann der frühere Walbertsweiler Lehrer Leopold Köhler eine Zeitreise zu den Anfängen der Reichsgründung Karls des Großen um 800.

In einer Schenkungsurkunde des Klosters St.Gallen aus dem Jahr 854 ist ein Ort mit dem Namen Waldrameswilare erwähnt, das früher Uodalprechtswilare genannt wurde. In dem lateinischen Diplom habe ein gewisser Waldram dem Benediktinerkloster seinen Besitz zu Waldrameswilare übereignet. Die neuere Forschung, erklärte der Referent, kenne zwei Auslegungen: eine Schweizer und eine deutsche. Die Schweizer sehen den Ort in der Nordschweiz, eine deutsche Dissertation aus dem Jahr 1967 hält die Zuordnung dieses Platzes auf den heutigen Ort Walbertsweiler zumindest für möglich.

Ein Argument für die Gleichsetzung der beiden Ortsbenennungen könnte das in einer Urkunde der geistlichen Richter von Konstanz von 1275 erwähnte Gut Hausen bei Waltramswiler sein. Das soll an der Waldspitze an den Mooswiesen gegen Meßkirch gelegen sein. Hier sollen die Edlen von Hausen ihre Wohnung gehabt haben. Bis heute sei der Name "Hausener Öschle" in Walbertsweiler geläufig.

Um nicht weiter im Dunkel der Ungewissheiten zu stochern, wechselte 

Zum 1150-jährigen Dorfjubiläum von Walbertsweiler betätigte sich Leopold Köhler als profunder Chronist.
fah/Bild: Hahn

Köhler in die Gegenwart mit seinen Veränderungen. Hier traf der Redner den Nerv der gespannten Gäste - unter ihnen viele extra zu diesem Jubiläum nach Walbertsweiler angereisten ehemaligen Schüler der Volksschule. Die ließen sich gerne an ihre Walbertsweiler Jugendzeit erinnern, besonders an die Schulzeit in einem einzigen Schulraum, und an ihren Lehrer Hans Stekle.

Walbertsweiler könne auf ein lückenloses Schulwesen bis ins Jahr 1785 zurückschauen, als das erste Schulhaus gebaut wurde. Über Generationen hinweg sei das Lehreramt in der Familie Schweikart gelegen. Allein Vater und Sohn, Josef und Johann Baptist Schweikart, hätten 65 Jahre lang als Lehrer gewirkt.

Köhler vergaß auch nicht, die Veränderungen in der allerjüngsten Geschichte des Dorfes zu erwähnen. Vor 50 Jahren sei Walbertsweiler noch ein reines Bauerndorf mit 60 Höfen gewesen. Mittelpunkt des Dorfes sei in jener Zeit zwei Mal täglich die Molke gewesen.


 
 

Falko Hahn, Südkurier Pfullendorf, 14.06.2005

   
   

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