> Pressespiegel > Bericht: Südkurier 27. August 2005
 

Leben mit geistlichen und weltlichen Herren

SÜDURIER-Serie: Als Baden ein Großherzogtum wurde (3)

In einer lose erscheinenden vierteiligen Serie, deren dritte Folge der SÜDKURIER heute veröffentlicht, schildert Alfred Th. Heim die Zeit, als Baden nach 1801 Großherzogtum wurde. Er legt dabei besonderen Wert auf die regionalen Bezüge.

Eine eigenständige Herrschaft, die kleinste im Umland von Meßkirch, bildete bis 1806 der reichsritterschaftliche Ort Worndorf mit Danningen. Dort hatten die Herren von Freiberg-Eisenberg das Sagen, die seit 1608 im Besitz der Herrschaft waren und auch die niedere Gerichtsbarkeit inne hatten. Die Hochgerichtsbarkeit teilten sich die Grafschaften Sigmaringen und Nellenburg. Die Ortsherren residierten im Worndorfer Schloss, dem heutigen Schlossbauernhof, der seit 1872 dem Grafen Douglas auf Schloss Langenstein gehört und heute von einem Pächter bewirtschaftet wird. Worndorf kam 1806 an Baden und gehörte damit zum Amtsbezirk Meßkirch.

Die Gemeinde Schwandorf war bis 1806 Bestandteil der habsburgischen Grafschaft Nellenburg und fiel dann an Baden, wurde aber nicht dem Amtsbezirk Meßkirch, sondern dem Amtsbezirk Stockach zugeteilt. Keine Änderung ergaben sich bei der neuen Aufteilung der staatlichen Zuständigkeiten für Neuhausen ob Eck, das bereits seit 1481 zu Württemberg gehörte,

Auch für Thalheim und Rengetsweiler hatte die Länder-Neugliederung nach den napoleonischen Kriegen keine direkten Auswirkungen. Beide Orte waren bereits schon lange vorher im Besitz des aus der Grafschaft Sigmaringen hervor gegangenen Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen.

Anders verhielt es sich mit Dietershofen, Buffenhofen, Ringgenbach und Igelswies. Sie waren geistlicher Beisitz und gehörten zum klösterlichen Territorium der Zisterzienserinnen-Abtei Wald und kamen erst nach deren Aufhebung 1806 an das Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen.

Zur klösterlichen Herrschaft Wald, die unter der Ägide der Reichsabtei Salem stand, zählten bis zu jenem Jahr auch die Orte Walbertsweiler, Kappel, Glashütte, Otterswang, Reischach, Gaisweiler, Weihwang, Tautenbronn, Hippetsweiler, Riedetsweiler, Rothenlachen und Ruhestetten, ehe diese Gemeinden zusammen mit dem Klosterort zu Hohenzollern kamen. Wald war bis 1850 Sitz eines hohenzollerischen und danach bis zur 

"Unterm Krummstab ist gut leben." Dieses geflügelte Wort war vor 1803 weit verbreitet und besagte, dass die Untertanen geistlicher Gebietschaften von Abgaben und Lasten nicht so hart gedrückt wurden wie die Einwohner von Landschaften unter der Herrschaft der Adelshäuser. Zur Zisterzienserinnenabtei Wald gehörten seinerzeit die meisten Dörfer im Bereich Meßkirch und Pfullendorf.
Bild: Heim

Aufhebung 1861 eines preußischen Oberamtes.

Auch Beuron als Augustiner-Chorherrenstift war bis zur Mediatisierung ein eigenständiges geistliches Territorium, zu dem damals auch die Nachbargemeinde Bärenthal gehörte. Beide kamen 1803 nach Aufhebung des Augustinerklosters an Hohenzollern. Erst 1863 wurde das Kloster wieder mit mönchischem Leben erfüllt, als die Benediktiner dort die heute weithin bekannte Erzabtei begründeten.

Geistliches Territorium waren bis 1803 auch Sauldorf, Rast und Roth. Sie gehörten zur Benediktinerabtei Petershausen bis zu deren Auflösung und unterstanden dem petershausischen Obervogteiamt Herdwangen.

Als das Gebiet des Obervogteiamtes Herdwangen zu Baden kommen sollte, erhob Österreich allerdings Einwände, so dass die petershausischen Gebiete zunächst unter Sequestratur gestellt wurden, dann aber 1808 endgültig an Baden kamen. Dies mit Ausnahme des Ortes Rast, der zunächst dem Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen angegliedert war, dann aber 1812 gegen den zwei Jahre zuvor für kurze Zeit badisch gewordenen Ort Ablach eingetauscht wurde. So kam Rast ebenfalls zum badischen Amtsbezirk Meßkirch (wird fortgesetzt).


 

Alfred Th. Heim, Südkurier Meßkirch, 27.08.2005

nach oben