> Pressespiegel > Bericht: Südkurier 10. Juni 2005
 

Heilige Leiber kommen unter die Lupe

 Eine Wissenschaftlerin nimmt sich der Katakombenheiligen im Kloster Wald an

Eine angehende Wissenschaftlerin der Fachhochschule für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft in Köln hat sich der Heiligen Leiber in Wald angenommen. Mit Genehmigung des Freiburger Erzbischofs und des Landesdenkmalamts Tübingen darf sie in Kirchen Oberschwabens, darunter Wald und Meßkirch, die Gebeine der Skelettheiligen untersuchen.

Wald (fah) Die Studierende möchte während ihrer Diplomarbeit ein Konservierungskonzept entwerfen, das die Kirchengemeinde bei der Erhaltung einmaliger Klosterarbeit unterstützen kann. Um keine Beschädigungen an der Knochensubstanz und der fürstlichen Bekleidung zu verursachen, wird die heutige Chirurgiemedizin eingesetzt. Dokumentiert werden sollen auch die Aufbahrungs- und Fixierungstechniken der früheren Klöster.

Wie der Katakombenheilige und Märtyrer Dioskorus am 1. Juni 1711 mit allem Pomp der katholischen Kirche in einer von Ennetach ausgehenden Prozession in die Klosterkirche von Wald getragen wurde, darüber informiert ein "Wahrer Bericht" des damals als Beichtvater der Walder Zisterziensernonnen wirkenden Fraters Bernardus Bosch vom Kloster Salem. Das Schreiben liegt im Staatlichen Archiv Sigmaringen.

In aller Stille hatte sich bei Tagesanbruch auf herrschaftlichen Befehl eine "Rothe Volk von etlichen hundert Personen aus allen Häusern der Herrschaft des gemeinen Walder Ambt" in das Klosterdorf bei Mengen aufgemacht. Dort waren die Gebeine des Märtyrers und Blutzeugen Jesu zu einem Skelett "gefasst" worden. Die waren zehn Jahre zuvor aus der Begräbnisstätte Coemeterium Cyriacae in Rom auf einen Bittbrief der Walder Äbtissin entnommen und in einem "Kistlein" nach Kloster Wald gebracht worden. Nach Übergabe des heiligen Leib und Blut in der Klosterkirche von Ennetach und einer Erfrischungspause 

In der Fotoausstellung warfen Bürgermeister Werner Müller und Ortsvorsteher Franz Bosch Blicke in die Vergangenheit von Walbertsweiler
fah/Bild: Hahn

machten sich die Walder in auferbaulicher  Prozession, begleitet von Kreuz und Fahnen, auf den Heimweg. In einem wahren Triumphzug "vor ungemein vielem Volk der Stadt und aus den Orten" zog die Prozession durch die Stadt Mengen. Gleich hinter der Stadt wurde die Prozession von einer aus Rulfingen heranziehenden Menge erwartet und bis Krauchenwies geführt. Auch die begrüßten den heiligen mit Kreuz und Fahnen. In Göggingen ging es gleich. Da entschloss sich der Prozessionsführer trotz des weiten Weges und der herrschenden großen Sommerhitze nicht den geradesten Weg nach Wald zu nehmen, sondern über die im heutigen Täle liegenden waldischen Dörfer zu ziehen. In Wald mit den angeschlossenen Prozessionen aus dem Täle und von Walbertsweiler angekommen, schritt die Gemeinde durch zwei am Schmidtentor und am Kirchenportal aufgestellten Triumphbogen. Unter dem Salut von Feuermörsern, Ober- und Untergewehr der Untertanen wurde der nun zum Klosterpatron gewordene Dioskorus auf den Altar sorgsam verwahrt.

Am anderen Tag wurde der Heilige an die Wallfahrtskapelle beim geschossenen Bild vor Walbertsweiler getragen. Als Richtschnur war der Weg von Birken, Pomp, Fahnen, Zierden und guter Musik gesäumt.


 
 

Falko Hahn, Südkurier Pfullendorf, 10.06.2005

   
   

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