> Pressespiegel > Bericht: Südkurier 21. April 2006
 

Richtlinien zum Schutz der Jugend

 Gemeinderat Wald befürwortet verbindliche Vorgaben für Veranstaltungen

Als erste Kreisgemeinde wird Wald die Erlaubnis für Festveranstaltungen künftig von der Einhaltung bestimmter Richtlinien abhängig machen. Die verbindlichen Vorgaben dienen der Einhaltung des Jugendschutzes und der Wieder-Aufwertung der heimischen Festkultur.

Wald -  "Das ist ein mutiger Schritt und das ist ein richtiger Schritt!", war sich Bürgermeister Werner Müller mit seinem Gemeinderat einig, dass absoluter Handlungsbedarf besteht, um die zunehmenden Auswüchse in der "Festkultur" einzudämmen. Zuvor hatten Dietmar Unterricker vom Jugendamt und Martin Klawitter, die im kreisweiten Netzwerk "Prävention" tätig sind, von ihren Erfahrungen mit Festivitäten berichtet. So steigt die Zahl betrunkener Minderjähriger, die im Krankenhaus mit Alkoholvergiftung eingeliefert werden, stetig an.

Klawitter sprach davon, dass "zwei bis drei Jugendliche" ohne ärztliche Behandlung jährlich sterben würden. Viel habe sich im Freizeitverhalten der Jugend gegenüber früher verändert, nannte Klawitter die späten Ausgehtermine. "Vor zehn Uhr geht keiner mehr auf ein Fest, denn zuvor sind ja nur die Kindergartenkinder dort", erläuterte der erfahrene Polizeibeamte. Die Mobilität der jungen Leute habe sich ebenso erhöht wie das verfügbare Einkommen. "Und vor der Halle trinkt man sich mit der mitgebrachten Flasche Wodka warm", berichtete er vom veränderten Trinkverhalten. Die Ratsmitglieder quittierten seine Beobachtungen mit wissendem Nicken. Auch die Tendenz von 14- bis 21-Jährigen, Konflikte mit den Fäusten auszutragen, habe sich von 60 Fällen im Jahr 1988 auf 251 gemeldete vorsätzliche Körperverletzungen im vergangenen Jahr erhöht.

Im Anschluss erläuterte Dietmar Unterricker vom Jugendamt das seit Januar 2003 gültige neue Jugendschutzgesetz, das etliche Lockerungen brachte. So dürfen Minderjährige in Begleitung von Erwachsenen oder einer legitimierten so genannten "erziehungsbeauftragten Person" im Grunde "bis in die Puppen" auf Festen bleiben. Für diese Begleiter wurde im Landratsamt Sigmaringen ein Formular entwickelt, das Besucher auf Verlangen des Veranstalters beim Einlass vorzeigen müssen. Wobei Unterricker klar machte, dass Veranstalter im Rahmen ihres Hausrechts sehr viel bestimmen können. Absolute Kontrolle forderte er bezüglich des Alkoholausschanks

Mit verbindlichen Richtlinien für die Gestattung von Festivitäten wollen die kommunalpolitisch Verantwortlichen der Gemeinde Wald die Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen durchsetzen.
Bild: Südkurier-Archiv

an Minderjährige. Bei entsprechenden  Verstößen winken für die Verantwortlichen Geldstrafen bis 50000 Euro oder gar Gefängnis. Besonders erbost ist Martin Klawitter über die "Entgleisung der Festkultur", die durch die Werbung für Veranstaltungen sichtbar werde. Ankündigungen wie "Volle Kanne-Party" oder  "Jedes Getränk nur 99 Cent" würden nur eine Botschaft transportieren: "Hier kann man billig saufen!"

"Wir wollen das ändern", appellierten Unterricker und Klawitter an die Walder Kommunalpolitiker, den von ihnen erarbeiteten Richtlinienkatalog als verbindlich für künftige Festerlaubnisse zu beschließen. "Es hat sich schon viel verbessert", sah Jürgen Krall mit Blick auf die vergangenen Jahre die Situation nicht so dramatisch. Bürgermeister Müller erwähnte das vorbildlich organisierte Narrentreffen in Hippetsweiler, wo beispielsweise keine Alkopops ausgeschenkt wurden.

"Wir wollen auch keine Veranstaltungen abwürgen", versicherte Unterricker. Es sei wichtig, dass auch die Gewerbetreibenden wie Discotheken sich an dieser Aktion beteiligten, forderte Siegfried Benkler. Dass 13-Jährige sich nachts in Discos rumtreiben, liege auch an der Verantwortungslosigkeit vieler Eltern, kritisierte Ernst Stadler.

Einstimmig billigte das Gremium die Richtlinien für die "neue Festkultur", wobei die Walder hoffen, dass sich alle Kommunen der Region an der Aktion beteiligen, um einem fatalen Verdrängungswettbewerb um Besucher entgegen zu wirken.


Die Richtlinien:

Programm: Das Programm beginnt spätestens um 21 Uhr. Das Programm endet spätestens um 1.30 Uhr. Ausschank endet eine halbe Stunde vor Veranstaltungsende. Voller Eintrittspreis bis 1 Uhr. Keine Sperrzeitverkürzung mehr. Auswärtige Personen und Firmen erhalten keine Gestattungen.

Kontrollen: Konsequente Einhaltung von JuSchG und GastG. Ausweiskontrollen am Einlass obligatorisch: Alter? Betrunkene werden nicht eingelassen. Mitgebrachter Alkohol wird abgenommen. Bei illegalen Drogen erfolgt Anzeige. Waffen aller Art sind verboten. Geeignetes und geschultes Ordnungspersonal in und vor der Halle und auf dem Parkplatz (pro 50 Besucher ein Ordner). Klar benannte Verantwortliche - bei Polizei und Bürgermeisteramt bekannt und stets erreichbar.

Alkohol: Keine Werbung für günstigen Alkohol. Ausschank von branntweinhaltigen Alkoholika erst ab 23 Uhr. Kein Ausschank von branntweinhaltigen Alcopops. Keine Alkoholabgabe an Betrunkene. Der Veranstalter hat Vorbildfunktion und bleibt daher nüchtern.


       
 

Siegfried Volk, Südkurier Pfullendorf, 21.04.2006

 

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