> Pressespiegel > Bericht: Südkurier 02. November 2006
 

Andrang im Dorfgemeinschaftshaus

 Dr. Weber bei Führungen dicht umlagert

Ein koloriertes Bild und 57 ausgestellte Archivalien, ein Archivleiter, der die kleinsten Verästelungen des Walbertsweiler Archivs erklären kann, und ein interessiertes Publikum: Die Übergabe des Archiv-Findbuchs der Gemeinde Walbertsweiler im Dorfgemeinschaftshaus war in jeder Hinsicht ein Erfolg.

Wald-Walbertsweiler (fah) Bei mehrmaligen Rundgängen entlang der unter Glas, aber auch griffbereit auf Tischen liegenden Unikaten entlang der Wandseiten des großen Saals im Dorfgemeinschaftshaus, hatte der Sigmaringer Kreisarchivar Edwin Ernst Weber immer eine Menschentraube im Schlepptau. Ein wahrer Erklärungsmarathon mit Gegenfragen begann beim ältesten Dokument des Gemeindearchivs mit einem "Schuld-Bekenntnis" über 600 Gulden der vorderösterreichischen Gemeinde Waldpertsweyler vom 27. Dezember 1775 bis hin zur heftig umstrittenen Eingliederung der Gemeinde Walbertsweiler in die Gemeinde Wald von 1974. Von hier ist es ein kleiner Schritt zum jüngst wichtigsten Dokument, einer Stellungnahme der Gemeinde Walbertsweiler an den Verwaltungsausschuss des Innenministeriums im Stuttgarter Landtages vom 11. Mai 1955. Drei Jahre zuvor war der Grundstein zur Gründung des Bundeslandes Baden-Württemberg gelegt worden und schon sollte eine Kreisreform zum Nachteil von Walbertsweiler in Bewegung gesetzt werden. Der Ort sollte aus dem Kreis Sigmaringen herausgerissen und dem Kreis Stockach zugeschlagen werden. In der "Stellungnahme zur geplanten Neuordnung der Grenzen des Kreises Sigmaringen" verwahrte sich die Gemeinde gegen eine "Losreißung aus dem Land Hohenzollern". Die habe "nicht nur Unruhe und Aufregung, sondern eine ungehaltene Erbitterung gezeugt". Für die Bevölkerung sei es "unverständlich, wie über die Köpfe der Betroffenen hinweg, brutale, sinnlose Entscheidungen getroffen werden sollen."

Zu den dicht umlagerten Stellen gehörte das örtliche Schulwesen. Das habe in Walbertsweiler eine lange Tradition, sagte Weber. Die ersten Schulmeister seien aus dem Hause Schweikart gekommen. Vater Josef und Sohn Johann Baptist hätten ab 1779 für 65 Jahre als Lehrer im Ort gewirkt. In einer Vitrine lag ein fein säuberlich geschriebenes Schuldokument über die schulischen Leistungen und Fehlzeiten im Schuljahr 1796. Die Bestimmungen schrieben als Lehrgegenstände Religion, Buchstabieren, Lesen, Schreiben, Rechnen, Religions- und

Beim mehrmaligen Rundgang durch die Ausstellung: "Das Gemeindearchiv Walbertsweiler und seine Schätze" war Kreisarchivar Edwin Ernst Weber immer dicht von Menschentrauben umlagert.
Bild: Hahn 

weltliche Geschichte, verbunden mit Geographie und deutsche Sprachlehre vor.

Eine andere voll beschriebene Seite beschrieb: "Wie sich die Schüler gegen ihren Lehrer verhalten sollen: Schüler! Ihr sollt wissen, dass der Schulmeister an eurem Besten arbeitet, dass er die Stelle eurer Eltern in ihrer Schule vertritt." Dann folgen fünf Artikel voller Ermahnungen an die Schüler doch ihren Lehrer zu lieben und zu ehren.

Im Mittelpunkt der Ausstellung hing ein besonderes Schmuckstück, einen 1808 vom damaligen Pfarrer Franz Joseph Ebe gezeichneten Lageplan der gotischen Kirche und des Pfarrhofs von Walbertsweiler. Der in der Eigenschaft eines badischen Pensionärs als Pfarrer in Walbertsweiler aufgezogene Salemer Expater habe dort volle 26 Jahre als eifriger Seelsorger gewirkt, leistete dem Landkapitel Sigmaringen als dessen Historiograph wesentliche Dienste und gab seinen Pfarrangehörigen selbstverfasste Schulbücher an die Hand, betätigte sich nebenbei als kundiger Pomologe. Insgesamt ein umtriebiger Mann.

Ebe habe als erster im Ort Obstbäumen gepflanzt. Nicht gerade in seinem Sinn dankten es ihm dann die Walbertsweiler. Entsetzt notierte der Pfarrer eines Tages: "Die Leute aus Naschhaftigkeit mosteten." Der Café- und Restaurationsbetrieb beim zweitägigen Dorffest lag in den Händen der Walbertsweiler Vereine.

Südkurier-Fotogalerie im Internet:

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  Falko Hahn, Südkurier Pfullendorf, 02.11.2006 nach oben