> Pressespiegel > Bericht: Südkurier 07. Mai 2006
 

Nichts Hartes vor 23 Uhr

 Vereine sagen, Polizei habe Jugendliche provoziert - Sauer auf Ausschankregelung

Wald (fah) "Wir fordern einen Rückholbeschluss und eine abgestimmte Neufassung des vom Gemeinderat Wald gefassten Beschlusses über die neue Festkultur in Wald." Diese nachdrücklich von Gerhard Löffler vom Verein zur Brauchtumspflege Walbertsweiler gestellte Forderung als Grundlage der Erhaltung der Walder Vereine war am Montag in einer Sitzung im Saal des Feuerwehrhauses zentraler Gesprächspunkt mit widerstreitenden Ausgangslagen. In einer teils recht hitzig geführten Diskussionsrunde standen die Vorstellungen von 40 Vereinsvertretern aus Wald denen des Landkreises und der Polizei gegenüber. Mehrmals im Brennpunkt stand das Verhalten der Polizei.

Eine Woche nach dem Gemeinderatsbeschluss über die Festkultur hätten sich zwei von vier Pfullendorfer Polizisten bei einem vom Narrenverein Hippetsweiler veranstalteten Rockkonzert in der Zehn-Dörfer-Halle daneben benommen und Jugendliche provoziert, lautete der Vorwurf aus den Reihen der Vereinsvertreter. In kaum verhehltem Zorn warf dies Gemeinderat Rudi Jung dem anwesenden Beamten Martin Klarwitter von der Polizei Sigmaringen vor. Nach dem bei der Walder Bevölkerung unterschiedlich bewerteten Ratsbeschluss hatte Bürgermeister Werner Müller die Vereinsvertreter zu einem Gespräch mit Dietmar Unterricker vom Landratsamt und Martin Klarwitter an einen Tisch gebeten.

Was die Vereinsvertreter in Rage bringe, sei die 23-Uhr-Regelung des Beschlusses, wonach der Ausschank von branntweinhaltigen Alkoholika erst ab 23 Uhr gestattet sein soll. "So bekommen wir englische Verhältnisse, da wird doch von diesem Augenblick an bis zur Schließung der Veranstaltung nur noch gesoffen", rief ein erregter Egon Erath, Kommandant der Feuerwehr Wald, in die Runde. "Wenn wir gewusst hätten, was auf uns zukommt, dann hätte der Musikverein kein Festzelt für das nächste Musikfest bestellt", erklärte Klaus Hübschle.

Es gehe nicht darum, die Festkultur kaputt zu machen, erklärten Klarwitter und Unterricker. Der Trend zum späten Festbesuch könne bei einer äußerst mobilen Jugend nur mit generellen Anfangszeiten um 21 Uhr und Programmende um 1.30 Uhr wieder zurückgeschraubt werden. "Damit würden auch die nächtlichen Fahrten von 200 Kilometern mit Disko-Unfällen weniger werden", erhofft sich Klarwitter. Die Zahl der Alkoholvergiftungen bei Kindern und Jugendlichen steige dramatisch, ergänzte Unterricker. Mit dem veränderten Jugendschutzgesetz gebe es jetzt neue Bedingungen, auf die man sich einzustellen habe.

Kommentar "Vorbild folgen"


Kommentar

Vorbild folgen

Wald
VON SIEGFRIED VOLK
Bild: sk-Archiv

Der Gemeinderat Wald ist mit seinem Entschluss, die Festkultur wieder in zeitgemäße Formen zu bringen, mutig vorangegangen. Es wird Zeit, dass die übrigen Kreiskommunen dem Beispiel folgen, so dass kein Verdrängungswettbewerb um Besucher ausbricht. Vereine benötigen für ihre Arbeit Geld, und Feste sind oft die einzigen Einnahmequellen. Aber durch die optimale Thekenauslastung einen maximalen Gewinn zu erzielen, kann nicht der Weg sein. Wenn Vereine und Kommunen an einem Strang ziehen, dann ziehen die Besucher mit.


       
 

Falko Hahn, Südkurier Pfullendorf, 07.05.2006

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