> Pressespiegel > Bericht: Südkurier 16. Juni 2007
 

Hitzige Wortgefechte sorgen für Ärger

Informationsabend zur Flurneuordnung in Wald

Wald - Es ging an diesem Abend im vollbesetzten Saal des Feuerwehrhauses von Wald um nicht weniger als um einen Informationsabend mit Aussicht auf eine Flurneuordnung in Wald. Die zum Teil sehr emotional geführte Diskussion sorgte für einen verkorksten Abend.

Geladen waren die landwirtschaftlich aktiven wie passiven Grundstückseigner von Hippetsweiler, Wald und Walbertsweiler. Eingeladen hatte die Gemeinde Wald mit Bürgermeister Werner Müller und die Untere Flurbereinigungsbehörde des Landratsamts Sigmaringen mit dem leitenden Fachbeamten für den Kreis Sigmaringen, Engelbert Fischer. Doch nach einer Stunde über die Grundvoraussetzungen einer Flurbereinigung mit der Voraussetzung einer hinreichenden Bereitschaft der Eigentümer und Landwirte spielte es längst keine Rolle mehr, dass das Land Baden-Württemberg die Verfahrenskosten bei Flurneuordnungen zu 100 Prozent trägt. Vorurteilsfrei sollten die eventuell einmal für eine Neuordnung sich entscheidenden Grundstücksbesitzer und die Äcker und Wiesen bearbeitenden Bauern an die Sache herangehen, wünschte sich Müller. Er sei sich bewusst, dass es bei Grund und Boden um sehr emotionale Dinge gehe. Da wurde er von Fischer korrigiert, "es geht nicht um Grund und Boden, es geht um Flurbereinigung und was dabei möglich ist." Flurbereinigung sei nötig, um Schäden in der Struktur zu beseitigen, die in Jahrhunderten entstanden seien. Nach dem Fachvortrag gab Müller den Zuhörern das Wort zur Diskussion. Versprochen war, dass es auf jede Frage eine Antwort gebe, sei sie noch so von negativen Begleitumständen geprägt. Schnell entwickelte sich bei einigen Diskutanten ein wütendes Bauchgefühl, das den das Programm vorstellenden Fachmann zu ironischen Worten greifen ließ und der bodenständig mehr oder weniger voneinander abhängigen Gemeinschaft wissen ließ, dass er nicht zum Herumstreiten da sei. "Wenn ihr nicht wollt, dann lassen wir es sein, ich habe damit kein Problem, ich

Das Lächeln täuscht: Beim Infoabend zum Thema Flurneuordnung in Wald gab es für Engelbert Fischer vom Landratsamt und für Bürgermeister Werner Müller wenig zu lachen.
Bild: Hahn 

habe einen unangenehmen Partner weniger. Wenn die Teilnehmergemeinschaft es nicht will, ist es ihre Entscheidung, von uns geht die Flurneuordnung nicht aus." Zu dem Zeitpunkt hatte der Walder Landwirt Josef Fröhlich die Frage in den Raum gestellt: "Wer hat das angezettelt?" Darauf der Bürgermeister: "Ich kann nicht 5000 Eigentümer fragen, darum machen wir heute solch eine Infoveranstaltung." Bernhard Erath stellte fest: "Ich muss die Flurneuordnung ablehnen, Wald braucht keine Flurneuordnung." Er wurde durch beifälliges Klatschen und Gemurmel unterstützt. "Dass ihr so aus dem Bauch heraus reagiert, das ist nicht okay", war die Reaktion von Fischer. Eine Flurneuordnung diene dem Bauernstand, Argumente sollten vom Bauch in den Kopf verlagert werden. Doch es gab auch sachliche Stimmen, die auf die tatsächliche Situation einer wertfreien Information hinwiesen. Wie ist es mit solchen Beteiligten, die ihre Pacht als Altersrente sehen, die ihre Umlage einbringen und vor dem Abschluss der Neuordnung sterben? Auf solche bedauerlichen Fälle könne das Amt natürlicherweise keine Rücksicht nehmen, meinte dazu der Behördenleiter.


       
  Falko Hahn, Südkurier Pfullendorf, 16.06.2007 nach oben