> Pressespiegel > Bericht: Südkurier 28. September 2007
 

Trauer um Ortspfarrer Stadelmann

Von 1983 bis 1993 Seelsorger in Wald, Walbertsweiler und Sentenhart

Wald - Mit großer Trauer ist am Mittwoch in Wald der plötzliche Tod des früheren Ortspfarrers Karl-Heinz Stadelmann aufgenommen worden. Stadelmann starb am Dienstagmorgen im Alter von 69 Jahren an seinem Dögginger Schreibtisch beim Lesen des Stundengebets. Mit dem Sterbeläuten um 11 Uhr vom Turm seiner ehemaligen Pfarrkirche St. Bernhard in Wald eilte die Nachricht durch die Familien.

Der viel zu früh gestorbene Pfarrer war von 1983 bis 1993 Seelsorger für die Gemeinden Wald, Walbertsweiler und Sentenhart. Nach seinem Abschied aus Wald half er drei Jahre lang an seinem neuen Wohnort Meßkirch in der Seelsorge Meßkirch und Umgebung mit. Seine Leidenschaft zur Kirchengeschichte führte ihn auch in die Pfarrarchive in der Seelsorgereinheit Meßkirch, wo er unordentlich aufbewahrte Standesbücher akribisch aufarbeitete und eine neue Ordnung in die Archive brachte.

Mit dem Abschluss seiner Archivarbeiten zog es den Ruheständler 1996 in seine nähere Heimat, in das Pfarrhaus nach Döggingen. Dort half er in vielen Kirchen auf der Baar als "Vertretung" aus.

Der Pensionär, der die alten Sprachen mit seinen geschichtlichen Hintergründen wie nur wenige kannte, erwarb sich durch seine passionierten Geschichtsforschungen als Archivar des Bischofs einen erstklassigen Ruf. Bis zuletzt hat Stadelmann Wald nie aus dem Blickfeld verloren, jeden Morgen las er neben der Donaueschinger Ausgabe des SÜDKURIER auch die von Pfullendorf und Meßkirch.

Leider war es Stadelmann nicht mehr vergönnt, das seit langem in Freiburg ausgelagerte Walder Pfarrarchiv wieder zurückzubringen. Für seinen Nachfolger Josef Maurer ist dies ein Teil seines unvollendet gebliebenen Lebenswerks.

Unsterblich ist Stadelmanns Name auch mit einem Walder Jesuitenmissionar verbunden. Neun Jahre nach seinem Walder Abschied tauchte er 2002 plötzlich wie aus dem Nichts mit dem von ihm herausgegebenen Buch "P. Dominicus Mayr S. J. Terra Amazonum oder 

Pfarrer Stadelmann
Bild: Hahn 

Landschafft der streitbahren Weiber" wieder mit öffentlichen Lesungen auf. Für diese historische Leistung von Rang erhielt er im selben Jahr den Kulturpreis "Der Feldweg" der Museumsgesellschaft Wald 1845, den er freudig entgegen nahm.

Eine kaum mehr leserliche Schrift am Rand eines in der Walder Pfarrkirche hängenden Bildes, das einen Missionar zeigt, der einen Indio tauft, hatte ihn nach München ins bayerische Hauptstaatsarchiv geführt. Dort fand er Briefe des 1680 in Wald geborenen Dominicus Mayr, Sohn des Klosteroberamtmanns Frantz Johann Mayer und dessen Frau Helena Reutlingerin. Stadelmann übersetzte dort elf lateinische Briefe und einen in deutscher Sprache geschriebenen des 1716 von Spanien aus mit dem Schiff in die Indianermissionen nach Peru gereisten und dort 1741 gestorbenen Jesuiten Dominicus Mayr.


       
  Falko Hahn, Südkurier Pfullendorf, 28.09.2007 nach oben