> Pressespiegel > Bericht: Südkurier 28. Juli 2008
 

Tafeley in lauer Sommernacht

FV WaRe bewirtet Gäste bei mittelalterlichem Festmahl vorzüglich

Wald - Gar 380 edle Frauen und Herren waren zur "mittelalterlichen Tafeley" geeilet, um an dem gar köstlichen Gelage anlässlich der 800-Jahr-Feier von Wald teilzuhaben. In mittelalterlichen Gewändern saßen sie an den Tischen auf dem Walder Festplatz. Zahlreiche Vereinigungen aus Wald kamen sogar einheitlich gekleidet.

Lange Schlangen bildeten sich vor den Geldwechselstellen, an denen Klosterbrüder den Tafelgästen deren Euros in das einzig gültige Zahlungsmittel an diesem Abend, nämlich Gulden, umtauschten. Zahlreiche Knappen des Fußballvereins Walbertsweiler/Rengetsweiler standen bereit, um die Speisen und Getränke aufzutragen.

Fidelis Krall befahl eingangs in seiner Rolle als Vogt, an jedem Tisch einen Herrn oder eine Dame zu wählen, die darauf achten sollen, dass die Tischregularien eingehalten werden. "Wer glaubt, er könne abgenagte Knochen unter den Tisch werfen oder sich gar rüpelhaft benehmen, der irrt", warnte Krall. Auch Schultheiß und Vogt Werner Müller gab zu bedenken, dass sich die Tafelgäste an einem ehrwürdigen Klosterort befänden.

Die Knappen reichten Gerstensaft, edles Met, Zechwein oder Quellwasser. Danach tischten sie eine kräftige Suppe im Brottopf auf. Auf langen Platten wurden üppige Keulen vom Federvieh, gebratene Rippenteile, Haxen und Landknechtsbraten mit gebratenen Erdäpfeln und feinem Gemüse aus dem Herrengarten aufgetafelt.

Wie sehr auf die Tischregularien geachtet wurde, musste ein junger Recke aus der Gemarkung Zoznegg erfahren. Er wurde wegen des Werfens mit Knochen von zwei düsteren, schwarz gekleideten Henkersknechten an den Pranger geführt. Dort musste er ausharren, bis er durch den Kuss einer Jungfrau erlöst wurde.

Für Kurzweil während dem Mahle sorgten die Gaukler "Fagus und Fraxinus" mit ihrem Schabernack sowie einigen Kunststücken. "Ich habe schon lange nicht mehr so gelacht", begeisterte sich eine holde Magd aus Laiz. Die Atmosphäre in Wald sei einzigartig, fuhr sie fort.

Der Barde "Barny" (Bernhard Bitterwolf) entführte die edlen Ritterknappen und Jungfrauen in die Welt der mittelalterlichen Musikinstrumente, die auch in Wald zur damaligen Zeit gespielt wurden. Mit Landsknechtstrommel, Schellen, Sack- und Rauchpfeife, Piffel, Drehleier, Scheitholz und Carnyx spielte er für die Gäste auf.

Mittelalterlich gewandet fanden sich 380 Besucher zur "Tafeley" anlässlich der 800-Jahr-Feier von Wald ein.
Bild: Häusler

Nach Einbruch der Dunkelheit prasselten große Feuer in großen Schalen rund um den  Festplatz. Das flackernde Licht, die alte Musik und die altertümlich gekleideten "Tafeley"-Gäste vermittelten das Gefühl, wahrlich einen Zeitsprung ins Mittelalter getan zu haben.

Schultheiß Werner Müller, Schultheiß Hugo Bauer aus der Partnergemeinde Wald in der Oberpfalz und Gemeindepräsidentin Käthi Schmidt aus der Partnergemeinde Wald im Züricher Oberland, trugen mit einem Kuhglockenspiel zum Programm bei. Gemeindepräsidentin Schmidt hatte aus ihrer Gemeinde Silvesterklause und Schnappesel mitgebracht und brachte diese Tradition nun im hohenzollerischen Wald zu Gehör. Die Silvesterklause vertreiben mit dem Geläute der großen Glocken, die an einem Ring um den Bauch getragen werden, am Silvestertag böse Geister. Gemeinsam mit den Schnappeseln ziehen sie durch die Gemeinde des Züricher Oberlandes, erklärte sie den Brauch.

Danach brachten die Gaukler "Fagus und Fraxinus" abermals mit einer atemberaubenden Feuerjonglage ihre Künste dar. "Hört ihr Herrn und lasst euch sagen", verkündete schließlich Nachtwächter Rudi Stark aus Markdorf. Er brachte zum Ausklang des Programms die europäische Nachtwächter- und Türmerhymne dar. Noch lange danach harrten die Mägde und Recken in der lauen Sommernacht im Lichtschein der prasselnden Feuer aus.

 

Bildergalerie Mittelalterliche Tafeley
Mehr Bilder

  Sandra Häusler, Südkurier Pfullendorf, 28.07.2008 nach oben