> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 06. Februar 2009
 

Erst die Hektik, dann das Vergnügen

Mit Ina Jerg zum Nachtumzug nach Herdwangen

Wald-Walbertsweiler – Ina Jerg gehört mit ihrem Mann Thomas und den Kindern Werner, Hannah und Elena zum Narrenverein Walbertsweiler Brückeler. Sie ist die Vorsitzende des jungen Narrenvereins. Für den SÜDKURIER hielt sie die Vorbereitungen und den Besuch des Herdwanger Nachtumzuges mit ihrer Familie aus der Sicht eines Narren fest.

Eine Stunde vor der Busabfahrt geht es im Hause Jerg schon rund. Die Tasche für jeden ist mit Gummibärchen gefüllt. Vier Fastnachtshäser werden zusammengesucht. „Wo sind bloß die Kappen und Halstücher?“, stellt sich die Frage. Schnell werden die Kinder nochmals auf die Toilette geschickt und Ina Jerg fragt nach, ob auch alle einen Pullover und lange Unterhosen anhaben. Es folgt eine kurze Kontrolle, ob die Handschuhe in den Taschen sind.

30 Minuten bis zur Busabfahrt. Das erste Kind wird geschminkt, fertig, Schminke trocknen und der Nächste, bitte. Auch Mann Thomas bekommt kunstvoll einen „Giggeler“ (Hahn) auf die Wange gemalt. „Haben alle ihre Sachen? Ist der Narrensamen dabei? Mann, wo bleibst du bloß?“ Hektik bricht aus, denn Jergs müssen sich beeilen, damit der Bus nicht ohne sie abfährt. Im Bus Platz genommen, ein erleichtertes Seufzen, dass man den Bus noch erreicht hat. Alle Fünf sitzen im Bus, der Umzug kann kommen.

Am Aufstellungsplatz treffen sie die anderen Narren. Der Mann versorgt die Kinder mit Wurst und Getränken. Ein Schwätzchen hier und ein Schwätzchen da. Einer fragt: „Welche Aufstellungsnummer haben wir?“ – „Keine Ahnung.“ Ein anderer ruft: „Nummer 44.“ – „Wer läuft vor uns?“- „Keine Ahnung.“ – „Die Kehlbachratten.“

Es wird dunkel. Wann geht es nun los? Noch schnell angestanden vor dem Dixi-Häuschen. Der Umzug startet. Unter der Maske, so ohne Brille, sieht man in der Dunkelheit echt nicht viel, stellt Ina Jerg zum wiederholten Mal fest. „Wo bleiben denn die Besucher am Straßenrand? Sehe ich sie nicht oder sind keine da? Ach da vorne, da kommen sie.“ Ein Blick, wo die Kinder abgeblieben sind und noch ein bisschen das Fasnetshäs zurechtgerückt, geht es los. Vor der Tribüne, geben die „Brückeler“ alles, sie tanzen, sie ziehen gemäß ihrem Fasnetsruf „Die Brückeler, die Brückeler, die ziehed an n'em Giggler – die ziehed durch des Bautze-Haus und ziehed die alte Bautzin raus“ an den Giggeler'n herum.

Nach dem Umzug geht es in Richtung Halle. Da sind schon tausende Leute drin. Wieder steht eine lange Schlange vor dem Damen-WC. Die Kinder haben Hunger, also gilt es Essen zu besorgen. Das Zelt ist voll, da kommen Jergs mit dem Kinderwagen nicht hinein. In der Halle ist noch Platz. „Ja, es ist schön“, findet Ina Jerg. Alle tanzen und singen. Den Kindern gefällt es auch. Der große Sohn geht schon seine eigenen Wege. Jede Stunde ist ein Treffpunkt ausgemacht. Das erste Treffen naht. Werner ist pünktlich. Also wird ein neuer Treffpunkt ausgemacht und weiter gefeiert.

Die Kleinen werden müde, die Familie muss nach Hause. Mit dem Handy wird die Oma 

Die Brückeler und ihre „Giggeler“
Bilder: Häusler
Kunstvoll malt Ina Jerg (Bild rechts) Tochter Hannah einen „Giggeler“ auf die Wange. Damit wird jedes Familienmitglied für den Umzug ausgestattet.

zum Abholen bestellt. Der Sohn ist auch wieder pünktlich erschienen. Alles bestens, alles o.k.

Gerade als die Familie gehen will, ruft eine Freundin: „Du willst doch noch nicht etwa schon nach Hause gehen?“ Thomas Jerg sagt, dass er die Kindern nach Hause begleitet. „Danke, mein lieber Mann!“, ist Ina selig. Bis um Mitternacht wird weiter gefeiert, „was das Zeug her gibt“. Im Zelt ist es voll und eng, doch die Atmosphäre ist schön.

Der Bus fährt nach Hause. Eine kurze Kontrolle der Vorsitzenden, ob alle unter 18 Jahren im Bus sind. Endlich sitzen! Die Füße sind lahm. „Wann kommen wir denn in Walbertsweiler an?“, stellt einer die Frage.

Vom Bus schnell nach Hause gewackelt, das Fastnachtshäs über den Stuhl gehängt und ins Bett gekrabbelt, schleicht sich noch ein letzter Gedanke ein: Das Fest war so schön. Das nächste Mal werden wir wieder hingehen!


 
 

Sandra Häusler, Südkurier Pfullendorf, 06.02.2009

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