> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 10. Juni 2009
 

Zwischen Obst, Gemüse und harter Arbeit

Familie Hänsler auf dem Wochenmarkt

Wald-Walbertsweiler – Als Marktfrau am Obst- und Gemüsestand war SÜDKURIER- Mitarbeiterin Sandra Häusler mit Maria und Josef Hänsler vom Marktladen in Walbertsweiler-Allmannshofen auf dem Wochenmarkt in Bad Waldsee.

Zieh bequeme Schuhe und Kleidung für jede Art von Wetter an, lauteten die Instruktionen von Maria Hänsler für meinen Markttag. Es solle nämlich morgen regnen – ob ich trotzdem mitkommen will? Natürlich, entgegnete ich, bei gutem Wetter kann jeder auf den Markt, die Händler müssen auch bei jedem Wetter da sein. Maria würde mich am Samstag um 4.50 Uhr morgens abholen. Eine Stunde brauchen wir für die Fahrt nach Bad Waldsee.

Josef Hänsler fährt mit Tochter Mareike im Lieferwagen voraus. Der leuchtend gelbe Marktstand ist angehängt. Kurz vor sechs Uhr kommen wir in Bad Waldsee an. Die Stadt wirkt noch verschlafen, kein Wunder um diese Uhrzeit. Nur auf dem Marktplatz herrscht schon geschäftiges Treiben. Rund um den Federlebrunnen bauen die verschiedenen Marktbeschicker ihre Stände für den samstäglichen Wochenmarkt auf.

Der Marktstand entpuppt sich als „Wunderkiste“, je mehr er sich entfaltet. Die Außenwände werden zur Überdachung, zwei Platten, die im Innern verborgen sind, verlängern den Stand auf 12 Meter Verkaufsfläche. 80 Sorten Obst und Gemüse müssen neben Honig, ausgefallenen Senfvariationen, Nudeln, Fruchtaufstrich und Obstbränden schön arrangiert werden. Jedes Produkt hat seinen Platz. Frische Topfkräuter werden zu einer dekorativen Pyramide arrangiert. In der Morgendämmerung verströmen sie ihren intensiven Duft und werden zu einem Erlebnis für die Sinne.

Ob ich das wirklich freiwillig auf mich nehme, so früh aufzustehen und mitzuarbeiten, fragt Mareike Hänsler noch mal erstaunt nach. Gemeinsam füllen wir die Eier in die Verkaufsverpackungen. In Bad Waldsee werden vorwiegend die XL-Eier gewünscht, erzählt Maria Hänsler. Die Verteilung der Preisschilder gibt mir einen Überblick über die Anordnung der Waren und schließt auch Warenkunde exotischer Früchte mit ein. Eine gute Stunde brauchen wir zu viert, um den Stand zu bestücken. Normalerweise sind Hänslers zu dritt auf dem Markt, dann geht es länger, erfahre ich.

Gerade rechtzeitig sind wir mit dem Aufbau fertig, denn kurz nach sieben Uhr sind schon die ersten vereinzelten Kunden unterwegs. Das Schwätzchen mit den Marktbeschickern und der Scherz mit der Verkäuferin vom benachbarten Käsewagen gehören einfach zum Markttag mit dazu. Bei den Kunden, die es am Samstag nicht eilig haben, drehen sich die Gespräche um den Flohmarkt, der am kommenden Wochenende auf dem Platz stattfindet und die Wahl. „Verlässlichkeit und Vertrauen ist das Wichtigste für den Kunden“, sagt Josef Hänsler. Für den Erfolg auf dem Markt sei das entscheidend. Der

 

Mit Familie Hänsler aus Walbertsweiler- Allmannshofen erlebte die SÜDKURIER- Mitarbeiterin Sandra Häusler einen Tag als Marktfrau (von links): Mareike Hänsler, Maria Hänsler, Sandra Häusler und Josef Hänsler.
Bilder: Häusler

Kunde müsse sich darauf verlassen können, dass der Händler jede Woche da sei.

Josef Hänsler kennt die Stammkunden und deren Wünsche mittlerweile sehr gut. Seit sieben Jahren ist er jede Woche auf den Wochenmärkten in Bad Waldsee, Friedrichshafen, Meckenbeuren und Oberuhldingen präsent. Kurz nach halb acht fallen die ersten Regentropfen. Ich erhalte eine Einweisung in die Waage und bekomme meine eigene Verkäufernummer zugewiesen. Auf einer Liste an der Waage sind die Warennummern alphabetisch aufgelistet. Die Bedienung meiner ersten Kunden klappt recht gut. Natürlich dauert es bei mir ein wenig länger, bis ich die Warennummern gefunden habe, aber als gelernte Kauffrau im Einzelhandel habe ich mit dem Bedienen der Kunden keinerlei Schwierigkeiten.

Gegen zehn Uhr ist dann richtig was los auf dem Markt. Trotz des Regens, der mittlerweile in dicken Tropfen niederprasselt, lassen sich die Bad Waldseeer nicht abschrecken und sind in Scharen unterwegs. Bis gegen zwölf Uhr haben wir zu viert richtig viel zu tun und keine Zeit für eine Atempause. Doch die Zeit vergeht dadurch schnell. Eine Dame stellt sich als Profikäuferin heraus. Sie würde genau schauen, was der Verkäufer einpackt und sich merken, wo sie es gekauft hat, klärt sie mich auf. Kurz vor halb eins kommt eine Stammkundin völlig außer Atem an. „Jetzt bin ich da gewesen, jetzt könnt ihr abbauen“, sagt sie lachend. Sie habe schon beim Vorgänger von Hänslers eingekauft und hält auch ihnen seit Beginn die Treue. Kurz vor ein Uhr beginnen wir mit dem Abbau, der eine knappe Stunde dauert. Mein Gefühl sagt, dass ordentlich etwas los war. Es sei heute noch ein gemütlicher Markttag gewesen, sagt dagegen Maria Hänsler.

Die Kunden waren durchweg sehr nett und geduldig mit mir. Nur ein oder zweimal wurde nachgefragt, ob ich neu sei. Müde war ich auf der Heimfahrt schon. Das frühe Aufstehen und das lange Stehen war ich nicht gewohnt, aber den Tag möchte ich nicht missen.

 


 
 

Sandra Häusler, Südkurier Pfullendorf, 10.06.2009

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