> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 25. Oktober 2011
 

Von der Wurstbude ins Tor

Torwart-Oldie Jürgen Kaufmann kommt beim FV Walbertsweiler-Rengetsweiler zu unverhofftem Bezirksligaeinsatz

Wald - Walbertsweiler - Als hätte Joachim Raabe, Trainer des FV Walbertsweiler- Rengetsweiler, bereits in der Spielerbesprechung am Freitagabend eine böse Vorahnung gehabt: „Unser Coach hat mir nach der Besprechung gesagt, dass ich doch vorsichtshalber meine Sportsachen mitnehmen soll“, sagt Torwart-Oldie Jürgen Kaufmann (44).

Die 26. Spielminute im Bezirksligaspiel FV Walbertsweiler-Rengetsweiler gegen den FC Bodman-Ludwigshafen. Nach einem harmlosen Eckstoß verletzt sich der Heimtorwart Yannick Arnold am Knie. Da auch der andere Torhüter des FV, Benedikt Stehmer, verletzt ist, kommt es zu einer kuriosen Einwechslung. Der langjährige Torwart des FV Walbertsweiler-Rengetsweiler Jürgen Kaufmann, der eigentlich zum Dienst in der „Wurstbude“ eingeteilt war, wurde kurzerhand reaktiviert. „Ich hab meine ganzen Sachen in der Wurstbude vorbereitet und meinen Dienst verrichtet. Kurz nach Spielbeginn kamen zwei A-Jugendspieler und haben meinen Dienst übernommen. Als sich unser Torwart anschließend verletzte, schrien alle nach mir. Ich habe eigentlich gehofft, dass Yannick nichts Schlimmeres passiert ist und er weiterspielen kann. Als mir dann unser Co-Trainer Peter Weiß ein Zeichen gegeben hat, dass ich mich umziehen soll, war mir klar, dass ich nun spielen muss. Dann stand ich im Tor“, erzählt Kaufmann. So kam er, der sogar Landesligaerfahrung vorweisen kann, zu einem für ihn nicht mehr möglich gehaltenen  Einsatz in der Bezirksliga. „Nein, damit habe ich sicherlich nicht mehr gerechnet“, sagt

Kaufmann, der im Verein neben Wurtsverkäufer auch Schriftführer, Webmaster und Torwarttrainer ist.

Trotz des Kaltstarts strahlte „Kaufe“, wie er im Verein genannt wird, viel Ruhe aus und entschärfte die wenigen Torschüsse des FC Bodman-Ludwigshafen gekonnt. „Bis zur Halbzeit musste ich zum Glück nicht mehr viel halten. Ich konnte mich nicht aufwärmen, deshalb war mir sehr kalt“, sagt Jürgen Kaufmann. In den Schlussminuten ließ er dann nochmal sein Können aufblitzen und rettete durch zwei tolle Paraden den 1:0-Heimsieg.

Ob es für Kaufmann bei einem Bezirksliga-Einsatz bleibt, wird sich in der Trainingswoche entscheiden, da Benedikt Stehmer bereits wieder trainieren kann. „Wir hoffen, dass wir ihn bis zum Spiel am Sonntag in Sipplingen fit bekommen und ich dann wieder in unserer zweiten Mannschaft spielen kann“, meint Kaufmann. Sicherheitshalber wird er nach dem Spiel der zweiten Mannschaft in Aach-Linz nach Sipplingen fahren. Natürlich mit Sporttasche.


 
 

Stephan Gabele, Südkurier Pfullendorf, 25.10.2011