> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 09. März 2012
 

Wandern und Kegeln sind sein großes Hobby

Herbert Gauggel feiert seinen 80. Geburtstag

Wald-Walbertsweiler - Trotz seiner 80 Jahre ist Herbert Gauggel aus Walbertsweiler ganz schön fit. Mit federnden Schritten geht er auf seinen Besucher zu, schüttelt ihm kräftig die Hand und lädt ihn ins Wohnzimmer ein. Dort wartet bereits seine Frau Anna Maria. Beide kommen aus nahen badischen Ortschaften. Der Jubilar wuchs in Mainwangen auf einem Bauernhof auf, seine Frau kommt aus Reute im Hegau.

Mit 14 Jahren aus der Volksschule Mainwangen entlassen, hatte er das Unglück vieler seiner Zeitgenossen. Gerade war der Zweite Weltkrieg mit seinen Verheerungen und Unsicherheiten vorbei, da musste er sich vom Elternhaus losreißen, um eine Lehre antreten zu können. „Ich erinnere mich noch genau daran, als ich zum ersten Mal im Bahnhof von Mühlingen einen zerschossenen Personenzug betrat, um mit ihm nach Stockach zu fahren.“ Da hatte er bereits eine halbe Stunde Fußweg hinter sich. In Stockach angekommen, lag der Bahnhof in Trümmern. Es half nichts, es galt das Handwerk eines Wagners zu erlernen.

Dreieinhalb Jahre später sah die Welt bereits besser aus, der junge Mann schaute mit dem Gesellenbrief in der Tasche in eine gute Zukunft. Seine nächste Arbeitsstelle war einer der größten Arbeitgeber in der Region, die Firma Fahr-Maschinenfabrik in Gottmadingen, Hersteller von weltberühmten Traktoren. Dort musste er den fast über Nacht ausgestorbenen Wagnerberuf aufgeben, um als Schreiner zu arbeiten. Kaum auf den verwandten Beruf umgestellt, wurde er zum Bandschreiner angestellt. „Wir haben damals fast alles gemacht, was in einem so großen Betrieb mit dem Werkstoff Holz zu machen war.

   Bild: Hahn

Doch mit dem Wandel in der Landwirtschaft war auch sein Arbeitsplatz gefährdet. „Mein Meister sagte zu mir: Du bist noch jung, such doch einen neuen Betrieb.“ Den fand er ziemlich schnell in Friedrichshafen. In einer Großschreinerei sei er mit der Führung eines Maschinensaals mit 17 weiteren Holzfacharbeitern betraut worden.

Das war auch die Zeit, als er seine Frau Ann Maria kennen lernte. Beide heirateten alsbald. Beide wurden Eltern von Zwillingen, den Buben Michael und Siegfried. Anfang der 1970er Jahre kaufte das Ehepaar in Walbertsweiler das Ökonomiegebäude eines aufgegebenen Bauernhofes, um ihn in zäher Arbeit zu einem Doppelhaus auszubauen. Dort sollten einmal die Söhne einziehen. Doch beide sind längst weggezogen. Der eine ist Professor an der Uni in Essen, der andere verdient sein Geld in einem Geldinstitut in Chemnitz. Dort wird der Jubilar nun seinen runden Geburtstag mit der Familie und den beiden Enkelkindern feiern.

Mit dem Umzug nach Walbertsweiler trat der Holzfachmann eine Stelle beim Pfullendorfer Küchenmöbelhersteller Alno an. Der Firma blieb er 24 Jahre lang treu bis zum Eintritt ins Rentenalter. Seit dem das Ehepaar auf einmal viel Zeit hat, macht es große Wanderungen oder gehen mit Freunden zum Kegeln nach Rengetsweiler.


 
 

Falko Hahn, Südkurier Pfullendorf, 09.03.2012