> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 18. Januar 2017
 

Die Vermessung von Wald

Bürgermeister zeigt Karte bei Neujahrsempfang - 
Sie zeigt ein kleines Bauerndorf im Jahr 1775

Walbertsweiler zeigt sich im 18. Jahrhundert als ein kleinbäuerliches Geflecht aus hunderten von Parzellen, die ein Bauer an einem Morgen bewirtschaften konnte. 
Bilder: Falko Hahn

Wald - Für den Neujahrsempfang im Dorfgemeinschaftshaus von Walbertsweiler hatte Bürgermeister Werner Müller zwei Schönheiten im Gepäck. Die guten Aussichten für die Gemeinde Wald und eine im Staatsarchiv Sigmaringen aufbewahrte Vermessungskarte von Walbertsweiler aus dem Jahr 1775 als Kopie. Was er seinen 150 Gästen zeigte, war ein Griff in die sichtbar gewordene Grund- und Bodengeschichte eines im Bann von Kloster Wald liegenden kleinen Bauerndorfs. Das Kirchdorf Walbertsweiler war seit der Gründung der geistlichen Herrschaft von Kloster Wald im Jahr 1212 der größte und wichtigste von 15 Orten, die das Bestehen von Kloster Wald sicherten.

Als Leibeigene waren die Walbertsweiler ausersehen, als Knechte und Mägde den Klosterhof zu bewirtschaften und im Kloster für die hinter Mauern unsichtbaren Schwestern vom Orden der Zisterzienser zu sorgen. Die heimisch Gebliebenen ackerten auf den ihnen auf Zeit gegebenen Äckern und Wiesen, leisteten Steuern an das Kloster, den berüchtigten Zehnten. Ihr Pfarrer bezog von der Gemeinde das Heurecht. Wald selbst wiederum zahlte für in Wald liegende Güter des evangelischen Königsbronner Pfleghofs den Zehnt nach Pfullendorf. So wurde der Groß- oder Fruchtzehnt vom Getreideertrag erhoben, der Kleinzehnt von Ölsamen, Hanf, Flachs, Erdäpfel, Rüben, Obst, Gemüse, später auch Kartoffeln. Der Heu- und Blutzehnt wurde von neu geborenem Vieh erfasst.

Um die klösterliche Gemeinschaft von Wald langfristig über Steuereinnahmen zu sichern, bestellte die Äbtissin mit ihrem Amtmann in gewissen Abständen einen examinierten Geometer zum Vermessen der Klosterorte. Im Jahr 1775 wurde Anton Zeh aus Herdwangen nach Walbertsweiler verpflichtet, um den Ort in seiner Gemarkung mit Häusern, Äckern und Wiesen zeichnerisch aufzunehmen. In seine farbige Karte gab er den 40 Besitzern und Lehenträgern über ihre Häuser ein bleibendes Gesicht. Zuoberst als "A" und "B" stellte er das "Hochadelige Stift Wald" und die "Löbliche Pfarrey alda". Weiter im Alphabet nahm er die mit vielen Zeiten überstehenden Familiennamen auf, wie Restle, Schweikart, Burth, Renz, Glöckler, Krall, Moser, Kuhn oder Blum. Die gut erhaltene Karte ist über alle Ecken mit einem dichten Gatterzaun geschlossen. Morgens wurde das Vieh auf die Weiden innerhalb der Gemarkung oder durch Fallgattertore hinausgetrieben und abends wieder heimgeführt.

Die Grenze der 89 Mal 102 Zentimeter großen Karte mit seinen 40 Flurnamen, einem Bach und sechs Wegen nach Meßkirch, Rengetsweiler, Kappel, Rast, Sauldorf und Bichtlingen umschrieb Zeh mit: "gegen Rengetsweiler", die "niedere Gerichtsbarkeit mit Rengetsweiler einschließlich ihres Grund 

Auf der Vermessungskart von 1775 von Walbertsweiler ist ein Feldschütze zu sehen. Seine Aufgabe war das Fernhalten von gefräßigen Waldtieren aus den Bauerngärten von Walbertsweiler.

und Bodens", "Trieb und Tratt" sowie "Gebot und Verbot". Was er wegließ, war der Fußweg nach Wald, auf dem viele aus dem Dorf jeden Tag zu Fuß gingen. An den Waldsaum des Bichtlinger Fußwegs hat der Geometer einen mit einem Gewehr ausgestatteten Feldschützen gezeichnet. Das innere der Gemarkung mit den mehr als 40 Flurnamen, dem Wegegeflecht um die Parzellen mit ihren Grundstücksmaßen ist das Kunstwerk des Geometers Zeh.

Mittelpunkt der Karte ist das Dorf mit seinen Häusern. Jedem Bauernhaus und der Obrigkeit hat er einen Buchstaben zur Aufstellung einer Namensliste zur Seite gestellt. Die übertrug er dann Buchstabengenau in die Parzellen.

Das Kloster gab jedem Haus einen Heiligen als Hauspatron. Dann aber wird es bunt. Anton Zeh tritt mit seiner Kunst als Vermesser zutage, die an diesem Abend Norbert Hübschle aus Reischach als unverändert gültig sah, als er fast ungläubig ausrief, "so sieht es heute noch in Hippetsweiler aus". In elf Öschlagen liegen 500 Acker- und 80 Wiesenparzellen. Als Jauchert eingetragen, den ein Bauer an einem Morgen mit einem Joch Ochsen umpflügen konnte, Wiesen vermaß er in Mannsmahd. Alle paar Schritte lang führte in des Nachbarn Parzelle. Aus ihnen errechnete dann der Amtmann auf viele Jahre den Zehnten. Seine Unterschrift mit der Jahreszahl 1775 setzte er unter die mittels Zirkelbogen und Knotenschnüren fertig gewordene Karte von Walbertsweiler, um sie dem Walder Amtmann zu übergeben.


 
 

Falko Hahn, Südkurier Pfullendorf, 18.01.2017